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Irma (Milchen)

Irma (Milchen)

Irma

Ein Sechser im Lotto!

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Manchmal läuft alles so, wie es sein soll, und niemand kann etwas dran ändern.

Eine ältere Hündin lief hoffnungslos durch die Moskauer Straßen in einem eiskalten Winter und suchte verzweifelt nach etwas Essbarem. Hunger war qualvoll genug, aber er war nicht das größte Leid. Die größte Gefahr stellten die Menschen dar, die zwar manchmal etwas zu essen geben, aber auch zum Spaß einem Hund unfassbar schreckliche Dinge antun könnten, indem Schläge und Tritte das „angenehmste“ von allem war.

Das Leben war kalt und trüb wie dieser Wintertag und voller Schmerz und Angst.

Als die Hündin eine verkehrsbewegte Straße überqueren wollte, wurde sie von einem Auto schwer erfasst.

Die Hündin blieb in einer Blutlache auf der Straße liegen und das Auto fuhr einfach weiter…

Einige Frauen, die den Unfall beobachtet haben, riefen sofort im Tierheim an und die arme Hündin wurde zuerst in die Tierklinik gebracht, wo sie einige Tage behandelt wurden. Da der Schlag vor allem den Schädel getroffen hat, konnten die Ärzte das Augenlicht der Hündin nicht retten – sie erblindete vollständig.

Von nun an hatte sie bei der besten Pflege keine Chancein Russland, vermittelt zu werden.

Das Schicksal von Irma – so nannte man die Hündin – hat viele Menschenherzen bewegt. Es wurde sogar im Fernsehen eine Reportage über sie gedreht – alles umsonst: es fanden sich keine Leute, die Irma nach Hause holen wollten.

Nur eine Menschenseele blieb nicht gleichgültig und nicht tatenlos: als Jacqueline Stern die arme Hündin gesehen hatte, bestellte sie sie sofort zu sich nach Deutschland, kümmerte sich liebevoll um sie und suchte für sie gute Hände. Wenn sie ihr diese Chance nicht gegeben hätte, wäre auch das zweite Wunder nicht passiert. Aber lassen wir Heidi Büning, die Besitzerin von Irma, sprechen: 

Nach meiner spontanen, akuten Operation und dem gleichzeitig schrecklichen Verlust meines Lieblings Bombolo, beschloss ich nach langer Zeit der Genesung, wieder ein Fellnäschen zu mir zu holen.

Ich ging auf dieSeite russische-tiere-in-not. und fand auch gleich auf Anhieb die kleine Schönheit Jacky! Danach hieß es nur noch warten, bis sie aus Russland hier herkam. Voller Ungeduld und Freude fieberte ich den Tag der Abholung entgegen. Dann endlich war es soweit! Der Weg nach Pfungstadt zu Frau Stern erschien mir unendlich lange. Konnte ich es doch nicht mehr erwarten, nach dem schmerzhaften Verlust meines Bombolo´s  meine Jacky in die Arme zu schließen.

Dort angekommen, begrüßten mich und meine Mutter zuerst ein ganzes, bellendes Rudel voller Schlappermonster, einer herziger als der andere! Und dann kam auch schon

Jacqueline (FrauStern) uns lachend entgegen! In der Halle hat uns dann noch ihr Mann strahlend willkommen geheißen! Na ja, willkommen geheißen haben uns alle. Nur die Jacky auf dem Sofa schien von mir überhaupt nicht angetan zu sein!

Ja - es war einegegenseitige Antisympathie!

Ich dachte nur: UPS!

Und Jacky starrte mir zielgerichtet in die Augen. Als ich näher kam und ihr meine Hand zum Schnuppern reichen wollte, versuchte sie nach mir zu schnappen.

Da waren die Karten schon neu gemischt!

Etwas geknickt drehte ich mich von Jacky weg, ging einen Schritt zurück und stolperte fast über ein großes ETWAS, was ohne zu bremsen mir von hinten zwischen die Beine rannte.

Wau! Das war Liebe auf den ersten Rumps!

Da stand sie, die blinde Irma! Sie blickte zu mir hoch, als schaue sie mir in die Augen. Den Kopf leicht nach rechts gebeugt, die Ohren zu einer Seite gelegt, den Kiefer leicht verschoben und die Augenbrauen zusammengezogen. So hielt sie auf direktem Wege Einzug in mein Herz und ich stand nur da und war wehrlos vor ihr entzückt! So ein liebenswertes, zartes Wesen. Sie schmiegte sich an mich, als hätte sie nur auf mich gewartet und forderte mit leichten Stupsen meine Aufmerksamkeit ein. Keinen Schritt wich sie von mir und meiner Mutter. Um uns herum waren durch all die Fellnasen helle Aufregung. Alle kamen sie schwanzwedelnd her und liefen wieder weg. Nur das Irmchen blieb beharrlich an meiner Seite. Sie brauchte keine Augen, um mich zu sehen. Ja und ich brauchte keine Minute des Überlegens, um zu wissen, das wir zusammengehörten.

Ich wusste nichts von ihr! Nicht mal, ob sie mit Katzen konnte. Aber ihre sanfte Art gab mir Mut! Und wir alle täuschten uns nicht!

Es waren noch ein paar schöne Stunden bei Jacqueline und Martin und als wir gingen, ging Irmchen mit nach Hause!

Wegen Jacky kam ich und die große Liebe Irma fand ich dort. Seither sind wir unzertrennlich! Sogar auf die Arbeit begleitet sie mich. Keine Stunde sind wir beide mehr alleine!

Und Jacky fand schon kurze Zeit später auch ihre Menschen, die sie lieben.

So sollte und musste alles sein!

Ach - und heute heißt Irma Milchen!

Milchen ich gebe dich nie mehr her!

Heute würde niemand mehr die arme Hündin erkennen, die einst alleine und todunglücklich durch die Straßen zog. Sie lebt wie Gott in Frankreich. Sie geht mit ihrem heißgeliebten Frauchen Heidi jeden Tag zur Arbeit und fährt mit ihr LKW mit. Trotz stressiger Arbeit und pflegebedürftiger Mutter, findet Heidi immer genug Zeit für ihr geliebtes Milchen. Die Hündin wird verwöhnt und geliebt, genießt ruhige Spaziergänge und Streicheleinheiten, Heidi kümmert sich liebevoll und verantwortungsvoll um sie. Dank der Liebe und Fürsorge ihres Frauchens hat Milchen erfahren, dass man nicht nur um das Leben kämpfen muss, sondern dass man es auch geniessen kann.

Das aktive Frauchen von Milchen mit ihrem Sonnenwesen ist nicht aufzuhalten: sie ließ an ihrem LKW die Werbung von der Tierschutzorganisation kreieren, führt Gespräche mit den Leuten, die nach einem Hund suchen, wirkt aktiv bei der Vermittlung anderer Tiere mit und schon viele Tiere verdanken ihr ein warmes Zuhause und tolle Besitzer.

Das Schicksal hat Milchen zwar ihr Augenlicht genommen, hat aber dafür ein glückliches Leben gegeben und das beste Frauchen der Welt, von dem viele gesunde junge Hundenur noch träumen könnten!

Ohne ihr

Augenlicht kann Milchen auskommen, ohne ihr Frauchen – nicht mehr.

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